Offene Jugendarbeit und Mobbing

Die MOJUGA bewegt sich in den Lebenswelten der Jugendlichen und hat deshalb auch mit Mobbing  und Cybermobbing zu tun. Die Jugendarbeitenden können Mobbing beim Beobachten und Reflektieren der Interaktionen von Jugendlichen erkennen. Sie analysieren diesbezüglich insbesondere nicht auf den ersten Blick in ihrer Aussage erkennbare Erzählungen von Jugendlichen und versuchen, die sozialen Zusammenhänge und das Mobbing im Gespräch mit Opfern und Tätern aufzudecken.

Die dabei beobachtete Bandbreite von Mobbing reicht von immer wiederkehrenden Hänseleien von mehreren Jugendlichen gegen Einzelne, über die erpresserischen Aufforderung von einer Gruppe Gleichaltriger an einen Jugendlichen, Aufgaben für sie zu erledigen oder ihm sein Znünibrot wegzunehmen. Bis zum Cybermobbing, bei dem Jugendliche mit expliziten Bildern im Netz fertiggemacht oder gar erpresst werden.

Die Jugendarbeit der MOJUGA nimmt alle Mobbing-Fälle gleichermassen ernst. Die Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeiter thematisieren Mobbing zuerst mit den Betroffenen und beraten sie in möglichen individuellen Reaktionen. Die Gespräche können – wenn die oder der Betroffene einverstanden ist - auf die Eltern ausgeweitet werden. Zudem informiert die Jugendarbeit in absolut anonymisierter Form die Schulen, um die dortigen Interventionen gegen Mobbing zu fördern. In schweren Fällen kann auch eine Fachstelle hinzugezogen werden.

Die Jugendarbeit anerkennt die tiefe soziale Scham, unter welcher alle Betroffenen leiden und weiss, dass das Schlimmste für die Opfer nicht einmal die eigentlichen Täter sind, sondern die schweigende Mehrheit, welche Mobbing geschehen lässt ohne einzugreifen. Die daraus resultierenden Verletzungen können psychisch sehr langfristig sein und die Jugendarbeit betreut Mobbing-Opfer auch über den eigentlichen Mobbing-Fall hinaus.

Empfehlungen der MOJUGA

  • Klären Sie zunächst in einem offenen Gespräch mit Ihrem Kind ab, ob es sich bei Verdacht tatsächlich um Mobbing handelt. Nicht jede Beleidigung ist schon Mobbing. Die Umgangssprache der Jugend ist oft nicht so hart gemeint, wie sie klingt: Wenn sich beispielsweise zwei junge Mädchen als ‚Bitch‘ oder ‚Schlampe‘ betiteln, kann das im Kontext durchaus freundschaftlich gemeint sein.

  • Achten Sie darauf, ob Ihr Kind häufig mit kaputten Schulsachen oder Kleidern heimkommt, an Schultagen über Bauchweh klagt, Schlafstörungen entwickelt, keine Kameraden hat oder immer schlechtere Noten heimbringt. Fragen Sie vorsichtig nach den Gründen – auch nach möglichem Mobbing.

  • Erhärtet sich der Mobbingverdacht, sollten Sie in Absprache mit dem Kind die Lehrperson kontaktieren und mit dieser mögliche Reaktionsstrategien entwickeln. Gehen Sie jedoch nicht direkt auf die Täterin oder den Täter oder dessen Eltern zu, weil dadurch meist eine Beschuldigungsspirale entsteht, die dem Opfer mehr schadet als nützt.

  • Um Mobbing-Attacken wirksam zu stoppen, muss allen Beteiligten die Möglichkeit gegeben werden, ‚elegant‘ aus der Sache auszusteigen. So kann eine Lehrperson Täterinnen und Täter, Mitläuferinnen und Mitläufer sowie Zuschauende im Klassenverbund darauf hinweisen, dass es einem Kind in der Klasse schlecht geht. Als Aufgabe soll dann die Klasse gemeinsam Ideen sammeln und umsetzen, um dem Opfer zu helfen. Damit werden Täterinnen oder Täter und die schweigenden Zuschauenden sanft gezwungen, sich mit ihrem Tun auseinanderzusetzen. Voraussetzung für dieses Vorgehen ist das Einverständnis des Opfers.

  • Bei Cybermobbing gehört die belästigende Person sofort auf dem Smartphone Ihres Kindes gesperrt und der Vorfall muss dem Sozialen Netzwerk oder Chatforum gemeldet werden. Beweismaterial wie Screen-Shots, in Chaträumen geführte Unterhaltungen und Bilder sollte man auf dem Computer abspeichern und danach versuchen, alle Online-Inhalte zu löschen oder von den Plattformbetreibern löschen zu lassen.

  • Ob Strafanzeige erstattet wird, kann zusammen mit der Jugendarbeit und/oder der Schule zuerst besprochen werden (siehe auch Rubrik ‚Gesetzliches‘), da diese einschlägige Erfahrungen mit der Thematik haben.

Hintergrund

Der Begriff Mobbing bezeichnet die Tatsache, dass eine Person von anderen immer wieder gezielt mit Worten und/oder Taten ausgegrenzt wird. Es gibt dabei keine gegenseitige Kommunikation mehr, sondern nur noch einseitige massive Beschimpfung und Beleidigung des Opfers.
Ausgrenzung fängt oft bereits im Kindergarten an. Im Lauf der Schulzeit werden etwa 10 bis 15 Prozent aller Kinder und Jugendlichen Opfer von Mobbing. Gemäss neusten Umfragen hat im Kanton Zürich sogar rund die Hälfte aller Jugendlichen bereits mindestens einmal eine Form von Cybermobbing erfahren.
Dabei bevorzugen Mädchen eher subtilere, indirekte Methoden, während Buben häufiger körperlich direkt vorgehen.

Cybermobbing

Gesetzliches

Psychologisches