Das ist Fakt!

  • Als selbstverletzendes Verhalten (SVV) beschreibt man eine Gruppe von Verhaltensstörungen, bei denen sich betroffene Menschen absichtlich Verletzungen beziehungsweise Wunden zufügen, wie beispielsweise das Aufschneiden der Haut mit scharfen Gegenständen oder das Schlagen des Kopfes gegen eine Wand.

  • Rund 10'000 junge Menschen unternehmen laut Bundesamt für Statistik in der Schweiz im Jahr einen Suizidversuch. Etwa 100 nehmen sich dabei tatsächlich das Leben. Im Schnitt bringt sich in der Schweiz folglich alle vier Tage ein Teenager um.

  • In Deutschland zeigen rund 4 Prozent der Jugendlichen wiederholtes selbstverletzendes Verhalten. Weltweit haben sich rund 19 Prozent aller Menschen im Jugendalter einmal oder mehrfach selbst verletzt.

  • Ursachen für selbstverletzendes Verhalten können in einem inneren Gefühl grosser Leere oder einem Gefühl ständiger Anspannung liegen. Diese Gefühle basieren aber immer auf einem tiefer gehenden psychologischen Grund.

  • Auslöser für Suizidgedanken sind oft alltägliche Probleme, die unüberwindbar scheinen oder sich derart zuspitzen, dass sie zu einer totalen Überforderung und damit zu Handlungsunfähigkeit führen. Im Konkreten können das z. B. Schulprobleme, (Cyber-)Mobbing, Konflikte mit Freunden oder der Familie, Liebeskummer, soziale Isolation oder Versagensängste sein.

  • Über diesen Link kannst Du Dich mit Gleichaltrigen austauschen. Der Peer-Chat von Pro Juventute ist jeden Montag und Dienstag von 19 bis 22 Uhr geöffnet. Das Angebot kann ohne Anmeldung genutzt werden, ist vertraulich und kostenlos.

Gruppengefühl

  • Wenn Du ein Mädchen oder einen Jungen kennst, die oder der sich geritzt hat oder die oder der Suizidgedanken äussert, soll dies in der Gruppe oder im Zweiergespräch vorsichtig thematisiert werden. Man kann zum Beispiel fragen: „Mir sind deine Narben aufgefallen, hast du dich da geritzt?“ Oder: „Möchtest du darüber reden?“

  • Wenn die oder der Betroffene darüber reden möchte, höre einfach gut zu und frage nach, wenn du etwas nicht verstehst. Verurteile nicht („So etwas würde ich nie machen.“), sondern zeige Verständnis für die Probleme der oder des Anderen.

  • Die Gruppe sollte einer oder einem Betroffenen nach dem Zuhören nahe legen, Hilfe zu holen. Wendet Euch zuerst an die Jugendarbeit in Eurer Gemeinde. Die MOJUGA-Jugendarbeitenden können Euch sagen, wie man weiter vorgehen kann.

  • Berichtet die oder der Betroffene von konkreten Selbstmordabsichten, muss sofort gehandelt werden. Je nach Situation hilft hier die Jugendarbeit oder eine Jugendberatungsstelle oder das Beratungstelefon der Pro Juventute (147).

  • Wenn die Fernsehserie ‚Tote Mädchen lügen nicht‘ in Deiner Gruppe Thema ist, versucht diese gemeinsam zu schauen und sprecht gleich danach über Eure Gefühle, Ängste oder Motivation, diese Sendung zu schauen.

Überleg mal…

  • Selbstverletzungen wie Ritzen und Suizidgedanken sind immer Ausdruck für ein psychologisches Problem. Das Ritzen selbst ist eine Reaktion auf einen schwierigen inneren Zustand. Suizidgedanken haben oft mit einer extremen Überforderung zu tun.

  • Grundursachen für Selbstverletzungen können weit in der Kindheit oder in aktuellen Problemen liegen. Die Gründe können kalte Beziehungsmuster im Elternhaus sein oder aktueller starker Liebeskummer.

  • Suizidgedanken kommen bei Jugendlichen viel öfter vor, als später im Erwachsenenalter. Das hat damit zu tun, dass die Überlebensstrategien noch nicht entwickelt sind. Diese können aber immer im Gespräch mit einer Person Deines Vertrauens verbessert werden.

  • Selbstverletzendes Verhalten wird zwar von medizinischer Seite klar vom Thema Suizidversuch abgegrenzt. Trotzdem sind Selbstverletzungen eine Vorstufe zum Suizid, da sie aktiv den Körper als gesunden Mechanismus stören.