Offene Jugendarbeit und Stress

Die MOJUGA stellt bei ihrer alltäglichen Arbeit fest, dass zunehmend viele Jugendliche unter Stress leiden. Dieser ist primär auf den gesellschaftlichen Erfolgsdruck zurückzuführen. Der berufliche und soziale Erfolg ist in den Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen immer früher ein wichtiger Gradmesser. Die Selektion nach schulischem Erfolg findet ab der Primarstufe statt und setzt sich fort über die Oberstufe, die Lehrstelle, das Studium und schlussendlich im Beruf. Dieser nicht nachlassende Leistungsdruck führt bei immer mehr Jugendlichen zu innerem Stress, dereinst zu den gesellschaftlichen ‚Gewinnerinnen‘ und ‚Gewinnern‘ gehören zu müssen.

Wir beobachten bei nicht wenigen Jugendlichen schon früh ein seelisches Ungleichgewicht, das sich in entsprechenden Verhaltensmustern manifestiert. Übertriebenes Aufmerksamkeitswerben in der Gruppe oder übermässiger Cannabis-Konsum als extrovertierte Reaktionen. Und extrem ausgeprägte Langeweile oder starker sozialer Rückzug als mögliche introvertierte Reaktionen.

Deshalb integriert die MOJUGA in ihrer Betreuung explizit Projekte und Aktivitäten, welche zwar Lernfelder wie Organisationskompetenz, Kreativität oder sozialen Umgang bedienen, aber bewusst nicht primär zielgerichtet sind. Vielmehr soll den Kindern und Jugendlichen Raum gegeben werden, um ihre persönlichen Interessen und Talente entfalten zu können und dies in ihrem persönlichen Tempo. Sei dies bei der Förderung des Spieltriebs mit den MOJUGA-Spielboxen, bei der Organisation eines Marktstandes, bei der baulichen Renovation eines geplanten Treffmobils oder bei der allgemeinen Kommunikation. Stets sollen den Jugendlichen dabei Lernfelder angeboten werden, die sie dann annehmen können, wenn sie wirklich dazu bereit und motiviert sind. 

Empfehlungen der MOJUGA

  • Achten Sie auf mögliche Stresssymptome bei Ihren Kindern. Dies können psychische Anzeichen wie depressive Verstimmungen, Aussagen, eine Versagerin oder ein Versager zu sein oder unerklärliche Lustlosigkeit sein. Oder körperliche Symptome wie Kopf- oder Bauchweh, Schlafstörungen oder permanente Müdigkeit.

  • Zeigen Sie Verständnis für möglichen Stress bei Ihrem Kind und sprechen Sie mit ihm darüber. Suchen Sie gemeinsam geeignete Strategien für den Stressabbau. Auch die offene Kinder- und Jugendarbeit der MOJUGA kann hier helfen.

  • Überprüfen Sie ihre eigenen Anforderungen an ihr Kind und versuchen Sie, die Talente, das Entwicklungstempo und die Motivation Ihres Kindes mit Ihren eigenen Vorstellungen in Einklang zu bringen.

  • Zeigen Sie auch die positiven und kreativen Seiten von Stress auf: Verantwortung und Pflichten zu übernehmen, kann ein kreatives, beglückendes Erlebnis sein. Zeigen Sie ihnen gleichzeitig, dass Sie als Eltern jederzeit für Hilfe verfügbar sind.

  • Bedenken Sie, dass wir in der Schweiz ein zunehmend durchlässiges Bildungssystem haben und dass eine Jugendliche oder ein Jugendlicher auch nach der obligatorischen Schulzeit noch genügend Zeit hat, um mit einer späteren höheren Bildung ihren oder seinen beruflichen Weg zu finden.

  • Lassen Sie ihr Kind, sich auch einmal langeweilen. Innere Freiräume sind oft notwendig, um neue produktive Schübe auszulösen.

  • Beziehen Sie Ihr Kind immer mit ein, wenn es um freiwillige ausserschulische Aktivitäten geht. Hobbies sollen Ausgleich sein und keinesfalls zusätzlichen Leistungsstress generieren.

Hintergrund

Stress wird wissenschaftlich als ein biologischer Prozess definiert, der beim Körper Veränderungen hervorruft, um die durch verschiedene Einflüsse erhöhten Ansprüche zu bewältigen. Langeweile auf der anderen Seite entsteht dann, wenn Menschen entweder unter- oder überfordert sind. Als anzustrebender Zustand in der Mitte wird von 'Flow' gesprochen. Dieser wird dann erreicht, wenn eine Arbeit mühelos gelingt, indem die oder der Ausführende weder über-, noch unterfordert ist.
Im Jahr 2014 bezeichneten sich in einer nationalen Studie zwischen 12 und 22 Prozent der Schweizer Jugendlichen als 'einigermassen gestresst‘ und zwischen 6 und 12 Prozent als 'sehr gestresst‘.

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