Empfehlungen der MOJUGA

Die digitalen Medien sind ein wichtiger Teil des Lebens praktisch aller Jugendlicher geworden. Dabei verfügen Jugendliche oft über eine höhere Benutzerkompetenz, als die Eltern, was eine entsprechende Kontrolle schwierig machen kann. Insbesondere auch, weil Jugendliche praktisch alle Inhalte (Kommunikation, Filme, Spiele, etc.) auf ihren mobilen Smartphones abrufen und so einer einfachen Kontrolle entziehen. Trotzdem gehört die Kontrolle der medialen Inhalte, welche ein Kind oder Jugendlicher konsumiert, zu den Erziehungsaufgaben der Eltern.

Checkliste 'Ist mein Kind bereit für ein eigenes Smartphone?'
 

Nutzung
Die Nutzung von digitalen Medien bieten den Jugendlichen viele nützliche Dinge bezüglich Organisation, sozialem Austausch oder Lernfähigkeit. Das Smartphone ist dabei unterstützendes Werkzeug, um den Alltag zu bewältigen. Der Grossteil der Schweizer Jugendlichen nutzt die digitalen Medien entsprechend unproblematisch. Knapp 20 Prozent jedoch weist bereits risikohaftes oder problematisches Nutzungsverhalten auf. Dieses ist gegeben, wenn grundlegende Dinge wie Hausaufgaben, Arbeiten zu Hause, normale soziale Kontakte oder Freizeitverhalten überdurchschnittlich von den digitalen Medien beeinflusst werden.

Digitale Medienkompetenz
Eigenen Sie sich das Wissen über grundlegende Anwendungen an. Insbesondere über Programme, Apps und Spiele, welche primär von Jugendlichen genutzt werden.

Analyse
Analysieren Sie gemeinsam mit Ihrem Kind dessen Smartphone gründlich. Erstellen Sie eine Liste mit allen Programmen und installierten Apps, welche für Ihr Kind Ihrer Meinung nach o.k. sind. Löschen Sie die anderen Anwendungen.

Kontrolle
Halten Sie regelmässige gemeinsame Sitzungen ab, bei dem Sie das Smartphone Ihres Kindes gemeinsam anschauen. Neue Anwendungen müssen gemeinsam besprochen werden. Machen Sie zusätzliche Stichproben.

Bildschirmzeiten
Bestimmen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind, wie viel Zeit es pro Tag oder pro Woche zu Hause vor Bildschirmen verbringen darf. Dabei muss bedacht werden, dass viele Jugendliche ausser Haus sehr oft das Smartphone bedienen, vor allem, um mit anderen Jugendlichen zu "chatten".

Sicherheit
Analysieren Sie mit Ihrem Kind regelmässig dessen Nutzung bezüglich privater Daten. Stellen Sie sicher, dass es einen risikoarme Nutzung pflegt und beispielsweise keine persönlichen Daten wie Name, Adresse, Alter und Telefonnummer an nicht bekannte Adressaten weitergibt.

Image
Googeln Sie Ihr Kind in regelmässigen Abständen und analysieren Sie das Resultat gemeinsam. lassen Sie sich regelmässig dessen Kommunikation in internen Chatgruppen zeigen.

Heikle Inhalte
Themen wie Sexualität und Gewalt sind im Internet leicht zugänglich. Versuchen Sie, mit Ihrem Kind diesbezüglich eine Vertrauensbasis aufzubauen, so dass sie/er mit Ihnen das Gespräch sucht, wenn sie/er verstörende Inhalte gesehen hat.

 

 

 


Rechtliches


Vertragsabschlüsse
Die Parteien, die einen kostenrelevanten Vertrag im Internet abschliessen, müssen handlungsfähig sein. Das sind sie, wenn sie mündig (volljährig) und urteilsfähig sind. Urteilsfähige und unmündige Jugendliche können jedoch selbstständig Verträge im Internet abschliessen, welche entweder gratis sind oder durch das eigene Sackgeld beglichen werden können. Verträge mit höheren Beträgen oder Ratenzahlungen bedürfen in jedem Fall der Zustimmung der gesetzlichen Vertreter, meist der Eltern.
Verträge im Internet basieren auf den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), welche immer durchgelesen werden sollten und die man meist mit dem Anklicken eines Häckchens akzeptiert. Verträge, für welche das Gesetz die Schriftform vorschreibt (zum Beispiel Lehrvertrag, Konsumkreditvertrag oder Leasingvertrag) können nicht über das Internet abgeschlossen werden.
Dieser Link gibt eine gute Übersicht über Wissenswertes bei Vertragsabschlüssen mit WhatsApp, Instagram und Snapchat (Quelle: www.handysektor.de)

Datenschutz
Der Datenschutz in der Schweiz soll die Privatsphäre jedes Menschen umfassend schützen und gilt als Grundrecht. Das Internet jedoch stellt durch seine kaum zu kontrollierende Struktur für den Datenschutz ein grosses Problem dar. Alle persönlichen Daten im Internet werden irgendwo abgespeichert und sind für den einzelnen Nutzer nicht kontrollierbar. Kinder und Jugendliche sollten mit Hilfe ihrer Eltern Beiträge auf Sozialen Medien, in Diskussionsforen, aber auch das "Surfverhalten", welches bei Providern abgespeichert wird und oft an Dritte zu Werbezwecken weiterverkauft wird, so gut wie möglich kontrollieren.
So können sie von Anbietern die Löschung von Einträgen verlangen oder in Internet-Browsern anonymisierte Einstellung vornehmen. Dazu sollten allgemein möglichst wenig persönliche Details im Internet verbreitet werden.

Persönlichkeitsschutz
Im Internet können insbesondere das Recht am eigenen Bild, das Recht auf Schutz der Ehre oder das Recht auf Achtung der Privatsphäre verletzt werden. Fotos oder Videos von Jugendlichen dürfen entsprechend nur dann auf Facebook, Instagram, YouTube oder Snapchat gepostet werden, wenn die oder der Betreffende ihre oder seine Einwilligung gegeben hat. Ausnahmen können explizite Partybilder oder Bilder im öffentlichen Raum sein.

Pornografie und Sexting
Wer einem Kind unter 16 Jahren im Internet Pornografie zugänglich macht, macht sich strafbar. Deshalb sind die Schweizer Anbieter von pornografischen Seiten verpflichtet, technische Lösungen einzusetzen, welche die Volljährigkeit von Personen überprüfen. Allerdings gibt es bei den meisten diesbezüglichen ausländischen Seiten – wenn überhaupt – nur Warnhinweise. Jugendliche unter 16 Jahren können wegen Erstellung und/oder Verbreitung von (Kinder-)Pornografie ebenfalls rechtlich belangt werden. Wenn Minderjährige Nacktfotos oder Filme von Selbstbefriedigung oder sexuelle Handlungen anderer Minderjähriger aufnehmen, dann produzieren sie verbotene Kinderpornografie (‚Sexting‘). Jedoch bleiben Minderjährige von mehr als 16 Jahren straflos, wenn sie voneinander einvernehmlich pornografische Gegenstände oder Vorführungen herstellen, diese besitzen oder konsumieren.
Die strafrechtlichen Fälle von Pornographie im Kindes- und Jugendalter haben 2018 explosionsartig zugenommen: Bei den 10- bis 14-Jährigen haben sich die Fälle seit 2009 fast vervierfacht, bei den 15- bis 17-Jährigen gar mehr als verfünffacht – von 42 auf 220 Fälle pro Jahr. Die Zahl der diesbezüglichen Verturteilungen von Jugendlichen unter 18 Jahren hat entsprechend stark zugenommen.

(Teile zusammenfassend aus "Alles was Recht ist",
okaj Zürich, www.okaj.ch/recht)


Bildquelle: Wikimedia Ibrahim.ID




Aktuelles aus der digitalen Welt


Sex, Gewalt, Erpressung: Immer jüngere und immer mehr Kinder und Jugendliche sind Internet-Gefahren ausgesetzt

Die neuste vom Bundesrat in Auftrag gegebene Studie zeigt es klar: Kinder und Jugendliche sind bereits ab 10 Jahren den vielfältigen Gefahren des Internets ausgesetzt. Die Zahlen und die inhaltlichen Gefahrenlagen sind dabei erschreckend. So wurde jeder zehnte der 10-Jährigen bereits Opfer von Diskriminierung im Internet. Jede oder jeder zwanzigste dieser Altersgruppe erlebte bereits Cybermobbing. Knapp 70 Prozent der 15- und 16-Jährigen haben auf ihren Smartphones bereits sexuelle Darstellungen gesehen. Gut jeder fünfte Jugendliche ist gar mit gewalttätigen sexuellen Darstellungen in Kontakt gekommen. 40 Prozent der 15- und 16-Jährigen wurde in der Internet-Kommunikation von Unbekannten nach sexuellen Inhalten gefragt, obwohl sie darüber keine Auskunft geben wollten. Allgemein kommen über die Hälfte aller befragten Jugendlichen mit Gewaltdarstellungen, Hassnachrichten oder Drogen in Kontakt. Mit Eintritt der Pubertät erhöht sich der Anteil von Inhalten zu den Themen Drogenkonsum, Selbstverletzung, Magersucht, Suizid oder Verwendung von Waffen. Am häufigsten konsumieren Kinder und Jugendliche solch gefährliche Inhalte über nutzergenerierte Formate. Dabei können die jugendlichen Nutzerinnen und Nutzer eigene Inhalte publizieren und verbreiten. Die Hälfte aller Schweizer Kinder und Jugendlichen fühlen sich im Internet nicht grundsätzlich sicher. Andererseits sehen die Kinder und Jugendlichen gemäss Studie auch die Chancen, die das Internet bietet. Sowohl als Informations- und Lernquelle als auch als Hilfe und Unterstützung, um anderen zu helfen, oder zur Unterhaltung, indem sie Videos schauen oder Games spielen.

Die Studienleiter mahnen an, dass Kinder und Jugendliche im Umgang mit digitalen Risiken unterstützt werden müssen. Konkrete Angaben darüber machen sie jedoch nicht. Prävention von Eltern und Schule sei wichtig. Die im Rahmen der Studie ebenfalls befragten Lehrpersonen geben jedoch an, dass sie für die Vermittlung von Medienkompetenz nicht immer über die geeigneten Lehrmittel, die erforderlichen Kenntnisse oder die nötige Zeit verfügten. Die Studie ‚EU Kids Online Schweiz‘ ist repräsentativ und für die gesamte Schweiz gültig. Befragt wurden 1026 Kinder und Jugendliche in 67 Schulklassen der Deutsch- und Westschweiz, ebenso ihre Lehrkräfte.
Link zu grafischen Zusammenfassungen der Studie

(25. Mai 2019)

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Kreativ-Videos von Jugendlichen auf YouTube vor dem Aus

Viele Jugendliche lieben es, eigene Videos auf die Plattform YouTube zu stellen. Sie nehmen dabei sehr oft nicht nur sich selbst auf, sondern garnieren die Videos mit bekannten Songs und Songtexten. Das verletzt jedoch oft das Urheberrecht, weil die Urheberin oder der Urheber der Songs – die Künstlerinnen und Künstler – eigentlich dafür entschädigt werden müssten. Die Plattform YouTube entschädigt die Künstlerinnen und Künstler jedoch seit Jahren nicht und die Jugendlichen schätzen diese Gratis-Ausdrucksform auf dem Netz.

Das Europäische Parlament hat Ende März die sogenannte Copyright-Reform beschlossen. Damit müssen grosse Plattformen wie YouTube, Dailymotion oder Twitch künftig alles ihnen Mögliche tun, um Urheberrechtsverletzungen auf ihren Seiten zu verhindern. Geschützte Werke müssen demnach lizenziert werden, bevor sie auf den Plattformen landen – oder dürfen nicht hochgeladen werden. Das heisst, dass Jugendliche sich vorher informieren müssten, ob YouTube oder andere grossen Video-Plattformen die Werke einer bestimmten Künstlerin oder eines Künstlers per Lizenz pauschal bezahlt hat und sie könnten ihre Videos nur mit den Songs dieser bestimmten Künstler anreichern. Ein Aufwand, der die Kreativität der Jugendlichen mit Sicherheit abwürgen wird.

Videos von Künstlerinnen und Künstlern, die von den Plattformen nicht im Voraus bezahlt werden, werden künftig wohl auch von sogenannten Upload-Filtern erkannt werden. Diese Algorithmen blockieren Videos von nicht bezahlten Künstlerinnen und Künstlern und dürften damit wohl unzählige enttäuschte Jugendliche vor den Bildschirmen zurücklassen. Da ist es ein schwacher Trost, dass in der neuen  EU-Gesetzesänderung Unternehmen, die jünger als drei Jahre sind, einen Jahresumsatz von weniger als zehn Millionen Euro haben und unter fünf Millionen Nutzerinnen und Nutzer im Monat haben, ausgenommen werden sollen. Diese Video-Plattformen mit massiv kleinerer Reichweite sind für Jugendliche uninteressant, da der Reiz der Sache ja genau der ist, dass die Videos auf YouTube mit rund 1 Milliarde Nutzerinnen und Nutzer von so vielen Leuten weltweit gesehen werden können. Das neue Gesetz und damit das Ende vieler jugendlicher Kreativ-Videos auf YouTube und Co. dürfte ab 2021 in Kraft treten.

(27. März 2019)