Bei Konsum wird Jugendlichen früher als in anderen Entwicklungsbereichen ein gewisses Mass an Selbstständigkeit zugestanden. Mit ihrem Taschengeld und mit ihren Wünschen an die Eltern sind oft schon Kinder direkt oder indirekt an Kaufentscheidungen beteiligt. So können sie über Konsum Autonomie und Identität erfahren und entwickeln. Sie testen damit Beziehungen, erfahren sich selbst in einem neuen und eigenständigen Status und üben, mit Konflikten umzugehen. Sie kaufen sich Eigenes, Unverwechselbares, inszenieren sich damit und sind gleichzeitig Teil einer Gruppe, die Identität und Zusammengehörigkeit stiftet.
Aber nicht alle Bedürfnisse der Jugendlichen können über den Konsum befriedigt werden. Wenn Jugendliche beispielsweise soziale Bedürfnisse vorwiegend über Konsum zu befriedigen versuchen, sind Enttäuschungen vorprogrammiert: Teure Marken-Kleider sind kaum Garant, dass sich das angebetete Mädchen in den Jungen verliebt. Deshalb ist es sehr wichtig, dass Kinder und Jugendliche möglichst früh ihre Bedürfnisse und Konsumwünsche kennen und diese reflektieren.
In einem zweiten Schritt müssen sie diese Konsumwünsche mit ihrem, durch die finanziellen Verhältnisse des Elternhauses definierten realen finanziellen Möglichkeiten abgleichen. Das ist eine harte Prüfung und ein längerer Prozess, denn in vielen Fällen müssen sich die Jugendlichen nach diesem Realitätscheck finanziell einschränken. Sie müssen sich beim jedem Konsumwunsch fragen: „Kann ich mir das leisten?“
Diese sogenannte Finanzkompetenz bedingt aber vor allem das Lernen weiterer psychologischer Fähigkeiten: Selbstvertrauen in sich als Persönlichkeit, die nicht nur vom Konsum abhängt. Die Fähigkeit, Belohnungen aufzuschieben und diesen Verzicht gegen Aussen zu verteidigen. Das Aneignen einer grundlegenden Selbstkontrolle und allgemein die Entwicklung eines Gefühls für die eigenen Werte und Normen.