Offene Jugendarbeit und Radikalisierung

Unter Jugendlichen ist das Thema Terrorismus immer wieder virulent. Jugendliche nehmen den diesbezüglichen anhaltenden öffentlichen Diskurs und die Flut von Medienberichten wahr und diskutieren in ihren peer-groups das Thema. Kommt hinzu, dass Terrorismus in sozialen Medien in allen möglichen Facetten abgehandelt wird und durch das offene Konzept dieser Plattformen diversen Interpretationen Tür und Tor öffnen. Jugendliche erwähnen in Folge Terrorismus, Radikalisierung und Extremismus immer wieder bruchstückhaft und zeigen darin ihre Verunsicherung, Angst oder Faszination für diese Themen.

Entsprechende Gespräche (siehe Empfehlungen) in diversen Settings der Jugendarbeit helfen den Jugendlichen, mit verstörenden Inhalten umzugehen.
Stellt die Jugendarbeit unter von ihnen betreuten Jugendlichen eine überdurchschnittliche Faszination für Gewalt fest (noch weit entfernt von Extremismus), sucht sie mit diesen Jugendlichen möglichst frühzeitig das Gespräch und zeigt auf, dass Gewalt in unserer Gesellschaft erstens sozial geächtet ist und zweitens bei den Opfern für grosses Leid sorgt.

(Bildquelle: Wikimedia, Anarkman)


Empfehlungen der MOJUGA

  • Erklären Sie, was die einzelnen Begriffe genau bedeuten.
     
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, sobald es Fragen dazu wie «Warum ist das passiert?» oder «Was sind das für Leute?» stellt.
     
  • Vermeiden Sie in Ihren Erklärungen Details wie beispielsweise Verstümmelungen von Opfern und bleiben Sie oberflächlich.
     
  • Betonen Sie, dass die grösste Mehrheit der Menschen nicht extremistisch handelt und dass mediale Berichte den Eindruck erwecken, dass Terror viel öfter passiert, als in Wirklichkeit.
     
  • Fragen Sie Ihr Kind während des Gesprächs immer wieder über die Gefühlslage Ihres Kindes und brechen Sie ab, wenn die Angst überhandnimmt.
     
  • Sprechen Sie vor allem auch über diesbezügliche, schockierende Medieninhalte, welche Ihr Kind bereits gesehen hat. Betonen Sie dabei, dass es völlig normal ist, dass jeder Mensch durch solche Aufnahmen (Bsp. Köpfungen der IS) emotional aufgewühlt wird.
     
  • Grundsätzlich sollte das Ziel dieser Gespräche sein, die Sachlage zu klären, das Sicherheitsgefühl Ihres Kindes zu stärken und dessen emotionale Belastbarkeit zu fördern.


Hintergrund

Definitionen

Gewaltbereiter Extremismus bedeutet, dass eine Person sich das Recht herausnimmt, zu Gewalt aufzurufen oder Gewalt anzuwenden, um eine für sie wichtige Idee durchzusetzen.

Terrorismus heisst, andere mit Gewalt einzuschüchtern und ihnen Angst zu machen, um die eigenen Vorstellungen durchzusetzen oder die eigene Glaubensrichtung aufzuzwingen.

Radikalisierung bedeutet, die Annahme extremer Ideologien, die Gewalt rechtfertigen.


Aktuelle Studie 'Extremismus unter Jugendlichen'