Offene Jugendarbeit und Alkohol

Die MOJUGA ist in allen Leistungsgemeinden fast alltäglich mit dem Thema Alkohol konfrontiert. Jugendliche begegnen Alkohol im Ausgang oder an Partys. Viele sind neugierig und wollen alkoholische Getränke probieren, manche suchen den Rausch und einige beginnen regelmässig Alkohol zu trinken. Als Motivation geben sie an, die Wirkung von Alkohol lustig zu finden, sich in der Gruppe mit Alkohol gut zu fühlen und vereinzelt auch mit Alkohol ihre Probleme besser bewältigen zu können. Die Jugendarbeit stellt bei ihrer aufsuchenden Arbeit immer wieder fest, dass immer jüngere Jugendliche vor allem in der Gruppe Bier und hochprozentigen Alkohol wie Wodka konsumieren. Die Jugendlichen finden Mittel und Wege, Bier und Schnaps im Handel zu kaufen oder sich diesen bei älteren Jugendlichen zu beschaffen. Oft wird der Alkohol in eigenen Behältnissen selbst zusammengemischt. Grundsätzlich berät die Jugendarbeit die Jugendlichen, einen risikoarmen Umgang mit der Substanz Alkohol zu lernen.

In allen Jugendtreffs der MOJUGA herrscht gemäss Betriebsregeln striktes Alkoholverbot. Die Jugendarbeit ist jedoch immer wieder mit Gruppen von älteren Jugendlichen konfrontiert, welche in direkter Nachbarschaft zu Jugendtreffs Alkohol konsumieren. Sie versucht diese Gruppen auf ihren störenden Einfluss auf jüngere Nutzergruppen zu sensibilisieren und unternimmt Massnahmen, um den Jüngeren einen problemlosen Besuch des Jugendtreffs zu ermöglichen.
An Grossanlässen wie Chilbis ist die Jugendarbeit im Zusammenhang mit Alkohol primär präventiv aktiv. Dabei spricht die Jugendarbeit mit den Jugendlichen über ihren aktuellen Alkoholkonsum, sensibilisiert Jugendliche, bezüglich übermässigen Konsum aufeinander zu achten und verweist auf Hilfsangebote wie das Erste-Hilfe-Zelt. Zudem ist die Jugendarbeit immer wieder mit einem Präventiv-Parcours vor Ort. Dabei können Jugendliche ab 13 Jahren mit sogenannten Rauschbrillen die Wirkung von Alkohol simulieren. Teilnehmerinnen und Teilnehmer müssen verschiedene Aufgaben lösen und erleben durch die Wirkung der Rauschbrillen neben visuellen, auch die eingeschränkten motorischen oder intellektuellen Fähigkeiten, welche durch Alkohol hervorgerufen werden.

Die Jugendarbeit berät die Jugendlichen auch regelmässig bei der Organisation von Partys, wie sie mit möglichem übermässigem Alkoholkonsum von Partyteilnehmenden umgehen können. Insbesondere an Schulabschlussfesten der 3. Oberstufe, an welchen traditionell viel Alkohol konsumiert wird, ist diese Beratung wichtig und notwendig.

Erfährt die Jugendarbeit von Läden in der Gemeinde, welche Alkohol an Minderjährige verkauft, wird die Gemeinde darüber informiert. In Einzelfällen muss die Jugendarbeit volltrunkene Jugendliche betreuen und die Eltern darüber informieren. Zudem ist die Vermittlerrolle der Jugendarbeit gefragt, wenn Jugendliche unter einem übermässigen Alkoholkonsum in ihrem Elternhaus leiden.

Empfehlungen der MOJUGA

  • Sprechen Sie früh mit Ihren Kindern über Alkohol und dessen historischem Stellenwert in unserer Gesellschaft. Machen Sie sich selbst bewusst, dass Alkohol in der Schweiz zum Alltag gehört, aber bei übermässigem Konsum auch eine gefährliche Droge ist.

  • Versuchen Sie, Kinder bis und mit 13 Jahren ausnahmslos von Alkohol fernzuhalten. Die Wirkung von Alkohol ist für solch junge Körper verheerend.

  • Klären Sie Ihre Kinder frühzeitig über die Risiken von Alkohol auf: Unfallgefahr im Verkehr, psychische Aggressivität mit möglichen gewalttätigen Konsequenzen und gesundheitliche Schäden bei regelmässigem Konsum im Jugendalter.

  • Thematisieren Sie den häufig spielenden Gruppendruck im Zusammenhang mit Alkohol. Erklären Sie Ihren Kindern, dass sie selbst entscheiden können, wann sie genug oder gar keine Lust haben, mitzutrinken. Das gilt insbesondere, wenn ein Partybesuch Ihres Kindes ansteht.

  • Achten Sie bei Ihren Kindern auf Anzeichen zum riskanten Alkoholkonsum wie regelmässigem Kater, allgemeiner Unlust, abnehmender Lebensfreude ohne Alkohol oder Berichte von anderen Jugendlichen von Alkoholexzessen. Wenden Sie sich an die Jugendarbeit oder an entsprechende Fachstellen.

  • Erklären Sie Ihren Kindern, weshalb Sie selbst gar keinen, einen massvollen oder einen übermässigen Alkoholkonsum haben und wie Sie selbst den Umgang mit Alkohol gelernt haben.

Hintergrund

Der Kauf von Alkohol ist in der Schweiz ab 16 Jahren (Bier, Wein) und ab 18 Jahren (alle anderen Alkoholika) legal. Der Konsum ist mit lokalen Ausnahmeregelungen generell legal.

In der Schweiz trinken gemäss neusten Studien 23 Prozent der 15 bis 19-jährigen Jugendlichen ab und zu risikoreich. Insgesamt konsumierten in der Schweiz 2016 knapp 86 Prozent der Gesamtbevölkerung Alkohol. Es wurde durchschnittlich 35 Liter Wein, 55 Liter Bier und 3,6 Liter Spirituosen pro Kopf und pro Jahr getrunken. Gut die Hälfte der Bevölkerung trinkt mindestens einmal pro Woche Alkohol, jede zehnte Person jeden Tag. Ein gutes Fünftel konsumiert risikoreich Alkohol: Knapp 21 Prozent der Bevölkerung gaben an, mindestens einmal pro Monat vier (Frauen) respektive fünf (Männer) und mehr Standardgläser nacheinander zu trinken. 4.3 Prozent konsumierten im Durchschnitt pro Tag zwei und mehr (Frauen) respektive vier und mehr (Männer) Standardgläser Alkohol.

Die Schweiz liegt bezüglich Alkoholkonsum im europäischen Vergleich im Mittelfeld. Insgesamt nahm der Alkoholkonsum in der Schweiz in den letzten zwanzig Jahren leicht ab.

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